
ONLINEPODIUMSDISKUSSION
9. März 2022
Lexikon zur Überseegeschichte
9. März 202211. – 13. Juni 2021
Islam und Empire – Muslimische Gesellschaften, islamische Bewegungen und europäischer Herrschaftsanspruch in Asien und Afrika
Die aktuellen Konfliktlagen zwischen dem „Westen“ und der „Welt des Islams“ haben eine weitaus längere
Vorgeschichte, als so mancher journalistische, aber auch akademische Kommentar vermuten lässt. Daraus ergibt
sich einerseits die Notwendigkeit, dem langen 19. wie dem frühen 20. Jahrhundert, die häufig in aktuellen Debatten
wenig Berücksichtigung erfahren, größere Beachtung zu schenken. Andererseits ist festzustellen, dass die Entwicklung der islamisch-europäischen Beziehung nicht von der imperialen Vergangenheit Europas getrennt werden kann.
Die Tagung „Islam und Empire“ will diesen Überlegungen Rechnung tragen, indem solche Beziehungen im Kontext der
Europäischen Expansion, der imperialen Machtausweitung und der kolonialen Herrschaftsausübung aus verschiedenen
geschichts- und islamwissenschaftlichen, sozial- wie kulturwissenschaftlichen Perspektiven thematisiert werden.
Der Schwerpunkt liegt auf der Epoche der „Europäischen Moderne“, ohne dass weiterführende Betrachtungen ausgeschlossen werden. Ziel ist ein möglichst vielschichtiges Bild eines wesentlichen Aspekts der modernen Globalgeschichte, gewonnen aus der Betrachtung konkreter Akteure und Interaktionszusammenhänge.
Drei Themenbereiche stehen im Mittelpunkt:
- „Expansion und Administration“: Zunächst rücken die imperialen Akteure in den Mittelpunkt. Gefragt wird nach
dem Umgang der europäischen Mächte mit den Angehörigen oder Eliten muslimischer Gesellschaften sowie den
Protagonisten islamischer Religionsausübung. Dabei wird
insbesondere die Agenda und das konkrete Verhalten der
„men on the spot“ diskutiert. - „Reaktion und Reform“: Danach wird die Perspektive umgekehrt, indem nach den muslimischen Akteuren in diesem
Kontext gefragt wird. Sowohl einzelne Protagonisten als
auch Gruppen oder Bewegungen werden hinsichtlich der
verschiedenen Reaktionen in muslimischen Gesellschaften
auf imperiale Herrschaftsansprüche in den Blick genommen. - „Wissen und Medien“: Schließlich wird einer wissensgeschichtlichen Perspektive Raum gegeben, indem der Genese
und Verbreitung europäischen Wissens über Islam und
muslimische Gesellschaften im imperialen oder kolonialen
Kontext nachgegangen wird. Dabei wird nach den Medien
und Diskursen im europäischen Kontext gefragt, aber auch
nach der gegenläufigen Wahrnehmung in islamischen Medien und ihre Reaktion auf europäische Machtbestrebungen.
